Projektbeschreibung

Nachschlagewerke, also auch Wörterbücher wie das "Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm", dienen der Vermittlung von Wissen und der Information über bestimmte Sachverhalte. Sie sind somit prädestiniert für das elektronische Medium, das sowohl in den Bereichen der "Literaturversorgung" als auch dem einfachen "Nachschlagen" von Artikeln große Vorteile gegenüber dem Printmedium besitzt.

Darüber hinaus ist eine Erschließung der in dem Wörterbuch enthaltenen lexikographischen Informationen von großem Interesse. Je nach Benutzer variiert die Nutzungssituation und werden unterschiedliche Fragen an das Wörterbuch herangetragen. Strukturierte Suchen versprechen eine gezielte Auswahl von Informationen und eine an die Nutzungssituation angepaßte Darstellung des Wörterbuchtextes.

Das Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm (1DWB, 1854 - 1954) und dessen partielle Neubearbeitung (2DWB, 1983 ff.) ist ein bereits erschienenes und zum Teil vor längerer Zeit bearbeitetes Wörterbuch. Für die Bearbeitung und Konzeption dieses Wörterbuchs konnte das elektronische Medium noch keine Rolle spielen. Gleichwohl läßt sich das in ihm enthaltene Wissen auch in diesem Medium zugänglich machen. Nach der Digitalisierung des 1DWB lag und liegt es nahe, dessen Neubearbeitung ebenfalls zu digitalisieren, aber auch behutsame Restrukturierungen vorzunehmen, um über eine vornehmlich zeichenfolgenbasierte Suche hinauszugelangen.

Dieses Projekt stellt einen Prototypen dar, der reinen Demonstrationszwecken dient. Aus diesen Gründen wurde zunächst auch nur ein kleiner Ausschnitt der bislang erschienenen Lieferungen gewählt; und zwar der Bereich F – Fasnacht. Gleichwohl läßt sich auf diese Weise das Potential bzw. der Mehrwert einer digitalen gegenüber einer gedruckten Fassung aufzeigen.

Bei diesem Prototypen handelt es sich um ein Projekt in der Bearbeitung. Das bedeutet, daß Weiterentwicklungen, die anschließend skizziert werden, folgen und neuere, überarbeitete Versionen erstellt werden.

Neben der Behebung der  technischen Einschränkungen sollen diese im einzelnen folgendes umfassen:

  1. Verbesserung des Wörterbuchparsers. Der aktuelle Parser bleibt deutlich hinter den Möglichkeiten zurück, die das gedruckte Wörterbuch aufgrund seiner typographischen Markierungen bietet. So werden nur wenige lexikographische Informationsklassen explizit erschlossen. Erst eine Unterscheidung der einzelnen Informationsklassen aber bietet erhebliche Vorteile bei strukturierten Suchanfragen. Die Arbeiten an dem neuen Parser werden deshalb vorrangig fortgesetzt und sind schon recht weit fortgeschritten. Die Verbesserungen, die der neue Wörterbuchparser mit sich bringen wird, werden für den Benutzer vor allem anhand der folgenden zwei Punkte sichtbar werden.

    1. Höherer Auflösungsgrad für die Suchen. Eine Volltext-Suche ist zwar besser als gar keine Suche, aber die Treffermengen können schnell sehr groß werden und ermöglichen keinerlei Unterscheidung zwischen Textwort in den (objektsprachlichen) Belegen und den von den Bearbeitern verfassten (metasprachlichen) Textteilen. Die Möglichkeit, eine Suche auf bestimmte Textbereiche des Wörterbuchs eingrenzen zu können, ist also dringend geboten. Zusätzlich zu den schon vorhandenen Elementen werden in der nächsten Version Einleitungsteile, Bedeutungsangaben, Belege und Stellenangaben explizit erschlossen und für sich durchsuchbar sein.

    2. Dynamische Artikelansichten. Die Typographie der gedruckten Fassung ist ein Kompromiss einerseits aus der Anforderung, komplexe Informationen lesbar und übersichtlich darzustellen, und der Anforderung andererseits, durch knappe und gedrängte Darstellung Druckraum zu sparen. Eine solche Einschränkung stellt sich für eine Web-Anwendnung in dieser Weise nicht, und somit können in der Darstellung neue Wege beschritten werden. Die automatische Generierung des Textes je nach Anfrage des Benutzers erlaubt spezifische und an die Benutzungssituation angepaßte Artikelansichten. Auch Techniken wie 'Text-Folding", also das Ein- und Ausfalten bestimmter Textbereiche, sind mittlerweile gut bekannt. Durch ein- und ausfaltbare Belegreihen zum Beispiel könnte die Übersichtlichkeit der digitalen ²DWB-Artikel deutlich erhöht werden, da sich der Benutzer zunächst einen Überblick über die Artikelgliederung verschaffen kann, bevor er die für ihn wesentlichen Abschnitte im Detail erschließt.

  2. PDF-Export: Auch wenn die Web-Anwendung versucht, die Typographie der gedruckten Artikel möglichst genau nachzuahmen, so bleibt die Darstellung im Web-Browser letztendlich von den Programm-Einstellungen und Vorlieben des jeweiligen Benutzers bzw. des Betriebssystems abhängig. Spätestens, wenn die Vorteile des digitalen Mediums genutzt werden sollen (vgl. 'Dynamische Artikelansichten'), kann die möglichst genaue Abbildung der gedruckten Fassung nicht mehr das vorrangige Ziel einer Web-Anwendung darstellen. Um dem Benutzer für den privaten Ausdruck trotzdem eine typographisch genaue Fassung bereitstellen zu können, bietet sich das PDF-Format an. Die automatische Transformation der digitalen Wörterbuchartikel in das PDF-Format stellt theoretisch kein Problem dar. Allerdings erfordert die technische Umsetzung einige Zeit und Arbeit.

  3. Normalisierung der Datierungsangaben. Zur Zeit können Suchen nur sehr umständlich anhand von Belegdatierungen eingeschränkt werden ( Suchen nach Datierungen). Die Verwendung von Platzhaltern ist ein nicht zumutbarer und sehr unsicherer Behelf. Damit exakte Suchen oder gar auf eine Zeitspanne eingegrenzte Suchen möglich werden, müssen die Datierungsangaben in einer anderen als der vorliegenden Form digital gespeichert werden. Die automatische Umsetzung der vorhandenen Datierungsangaben in ein geeigneteres Format muß aber noch implementiert werden. Anschließend sind die Suchmasken anzupassen.

  4. Ausbau der Stellenangaben als Verweise auf die Quellen-Bibliographie. Dem Benutzer des Wörterbuchs - auch der gedruckten Fassung - ist es zur Zeit kaum möglich, die Stellenangaben im Wörterbuchtext aufzulösen, da das Quellenverzeichnis noch nicht erschienen ist. Wünschenswert wäre ein Szenario, in dem ein 'Klick' auf eine Stellenangabe im Artikel genügt, um anschließend die vollständige bibliographische Angabe angezeigt zu bekommen. Die dafür notwendige 'Verbindung' zwischen Stellenangabe und dem Datenbankeintrag muß jedoch noch erstellt werden.

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